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Kunstbetrachtung XIII: Les illusions retrouvées – Nouvelles utopies à l’ère numérique, CENTQUATRE-PARIS, 11.10.-11.02.26

Ein Feuerwerk an grossartigen Arbeiten ist im CENTQUATRE-PARIS zu entdecken: Unter dem Ausstellungstitel «Wiederentdeckte Illusionen – Digitale Utopien von heute» sind 40 zeitgenössische Positionen zu entdecken, die begeistern und zuweilen sprachlos machen. Es sind spektakuläre Installationen: immersiv und interaktiv. Sie hinterfragen unser Verhältnis zum Digitalen und zur Zukunft. Die Science-Fiction-Autorin Catherine Dufour hält in ihrem Essay fest, dass wir, die wir im digitalen Zeitalter leben, auch in der Ära der verlorenen Illusionen leben. Oder wer würde lachend von einer Zukunft im 2100 träumen? Unser Blick in die Zukunft ist frostig. Im Rahmen der Biennale Némo 2025 zeigen im CENTQUATRE Künstler*innen, die sich mit der digitalen Welt auseinandersetzen und uns unsere Sehnsüchte und Träume zurückbringen. In der Kunst liegt die Hoffnung.

In verschiedenen Ateliers, z. Teil auch in zeltartigen Behausungen in der grossen Halle (heute das Herzstück für Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen, war ursprünglich eine industriell angelegte Halle für logistische Zwecke im Zusammenhang mit einem Bestattungsbetrieb. Sie bot viel Platz, hohe Decken und robuste Architektur – perfekte Voraussetzungen für die spätere Umnutzung als kultureller Veranstaltungsort) haben die  Kurator*innen Gilles Alvarez und José‑Manuel Gonçalvès Arbeiten von europäischen (auch aus der Schweiz und vor allem Frankreich), aber auch Künstler*innen aus Kanada und USA zusammengestellt.

Zwischen Wissenschaft und Mythos, Erinnerung und Daten untersuchen die Künstler das Verhältnis zum Lebendigen, zur Technologie und zur Vorstellungskraft. Utopien erscheinen hier nicht mehr als Versprechen einer fernen Zukunft, sondern als Mischräume, die zwischen Nostalgie und spekulativen Vorstellungen schwanken. Es sind Illusionen, die wir verloren glaubten und die der digitale Raum in einer anderen Welt neu enthüllt – in unserer eigenen!

Rachel Macleans Video «Duck» aus dem Jahr 2023, das sämtliche Bond-Darsteller und Marilyn Monroe auferstehen lässt, vermischt Hollywood, Videospiel, Film Noir und Science Fiction mittels Deepfake-Technologie und hinterfragt Wahrheit und Macht. Ein makaberes Agentenkammerspiel, das Marilyn Monroe zu einer Ente verwandelt und sie hundertfach ermordert.

Markos Kay hat mit «Nature Portals», 2023, mittels künstlicher Intelligenz die biologische Welt mit Bildgeneratorenalgorithmen  konfiguriert. In diesem Paralleluniversum kann man sich verlieren: bunt, lustig, hybrid präsentieren sich Plfanzen, Blumen und Tiere. Die raumeinnehmende Videoinstallation Werk verschiebt die Grenzen der Wahrnehmung und der Realität und enthüllt alternative Welten, in denen der Mensch mit Natur und Maschinen koexistiert.

In einer von digitalen Technologien revolutionierten Welt erweist sich die Illusion als kritisches, spekulatives und poetisches Werkzeug. Durch die Verknüpfung von künstlichen Intelligenzen, regenerierter Natur und positiven Science-Fictions erforscht die Ausstellung alte und neue Utopien.

Ein ganz spezielles Erlebnis schuf das Duo Inook (Moetu Batlle et David Passegand) mit «Le Megamix du Louvre Lens», indem sie Bilder und Skulpturen aus dem Louvre zum Leben erwecken, sie singen und tanzen lassen und damit auch die Besucher*innen zum Wippen und Geniessen einladen. Herrlich, wie das Publikum reagiert; man kann für einen Moment Graues und Schlimmes vergessen und die Ausstellung gutgelaunt verlassen.

Im CENTQUATRE (im 19. Arrondissement) wird getanzt, performt, es gibt Konzerte und Performances. Und es finden sehenswerte Ausstellungen statt. Ein Besuch lohnt sich immer!

 

Rachel Maclean, Duck, 2023

Rachel Maclean, Duck, 2023

 

Tatsuru Arai et Boris Vaitović, Face of Universe, 2023

Tatsuru Arai et Boris Vaitović, Face of Universe, 2023

Markos Kay, Nature Portals, 2023

Markos Kay, Nature Portals, 2023

Renaissances

Inook et Ask Mona – Hommage à Margaret Cavendish, 2025

Inook – Le Mégamix du Louvre-Lens – 2024-2025
Anne Bourrassé et Mounir Ayache – Désert de Retz II – 2025
Thomas Garnier – Augures – 2025
Cecilie Waagner Falkenstrøm – I See it, So You Don’t Have To – 2023
Donatien Aubert – L’Héritage de Bentham – 2024
Eric Vernhes – Meeting Philip – 2024
Riccardo Giovinetto – F E M I N A | I R I S - 2023
Obvious et Théâtre Molière Sorbonne – L’Astrologue – 2023

Un Monde nouveau
Markos Kay – Nature Portals – 2023
Markos Kay – Voices In The Machine – 2023
Tatsuru Arai et Boris Vaitovič – Face Of Universe – 2023
Marc Lee – Speculative Evolution – 2024
Phygital Studio – Plant Being – 2025
Peter van HaaftenMichael MontanaroGarnet Willis – On Air – 2024

Le Cantique des quantiques
Libby Heaney – QX Extended Advertisement & QX Product Launch Video – 2022
Caroline DelétoilleAurore YoungCéline Boisserie-Lacroix – Sensation quantique – 2025
Kaspar Ravel – Après l’interférence – 2025
Matthieu Poli – Le Monolithe de l’infini – 2016-2025
Markos Kay – Quantum Fluctuations – 2016

L’Île d’Utopie
David Rokeby – Voice Scroll – 2024
Andy Thomas – Visual Bird Sounds – 2020
Le NeoConsortium – Biodiversité 2.0 – 2025
Rachel Maclean – Duck – 2024
Christian Delécluse – Quand les ordinateurs portaient des jupes – 2023
Ismaël Joffroy Chandoutis – REWILD – 2025
Bruce Eesly – Le Fermier du futur – 2023
Beatie Wolfe – Smoke and Mirrors – 2024

Data Sky
Valentine Maurice – D A T A S K Y – 2025