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Kunstbetrachtung XII: Léopold Rabus, A travers l’étendue d’un Aldi brumeux, tenait une radieuse substance malmenée, Galérie C in Neuchâtel, 18.09.-01.11.25

Der Titel der Ausstellung (Deutsch: In der Weite eines nebligen Aldi offenbarte sich eine strahlende, gepeinigte Substanz) verweist auf Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung, in der der Protagonist Gregor Samsa sich in ein Insekt verwandelt und seine Umgebung aus einer neuen Perspektive betrachtet. Ähnlich wie Kafka die Absurdität des Alltags durch das Monströse enthüllt, nutzt Léopold Rabus (*1977 in Neuenburg) verzerrte Darstellungen des Gewöhnlichen, um das Groteske im Alltäglichen sichtbar zu machen. Das titelgebende Werk zeigt die Hinterseite eines Aldis mit einer grotesken Figur aus Gemüse-, Fisch und anderen Abfällen. Rabus malt Würste auf einer Wiese, wo vorher das Schwein oder das Kalb, die zu ihrer Herstellung geschlachtet wurden, standen. Seine figürlichen Werke erzählen Geschichten und laden ein, über den Tellerrand zu blicken. Er malt Wimmelbilder mit Hühnern, die zum Teil nur noch aus Hühnerteilen bestehen, aber auch alltägliche, banale Ansichten, wie die einer geschlossenen Garage im Winter. Der Blick des Künstlers ist ungewohnt, und er lädt das Publikum ein, sich die Welt in der Fantasie vorzustellen und sie aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Da sind schon mal Mäuse ebenso gross wie Kühe und drängen sich zusammen mit Hirschen und anderem Getier in einem Stall. Das ist malerisch sehr präzis umgesetzt, farblich unglaublich facettenreich, aber manches Sujet ist schon ziemlich grausig. Angst vor Hässlichem hat Rabus nicht; auch nicht, wenn er ein Selbstporträt anfertigt.

Mir war dieser Künstler aus der Romandie vorher unbekannt, obwohl er auch schon in der Deutschschweiz gezeigt wurde (2017 in der Langmatt). Für mich eine tolle Entdeckung, der sich bei den figurativ malenden Künstlerinnen und Künstlern von der Masse abhebt.

Léopold Rabus

Léopold Rabus, champignons devant une glace, 2025

Léopold Rabus, poules domestiques, 2024

Léopold Rabus, commémoration, 2025

Léopold Rabus