Die in Kölliken geborene konkrete Künstlerin tritt im Dorfmuseum Kölliken in einen Dialog mit den Artefakten vergangener Zeiten. Das «Sauzmehus», wie das Hochstudhaus aufgrund des bis in den 1940er Jahre dort verkaufte Salz genannt wird, stellt als Dorfmuseum das Leben und Arbeiten einer (reichen) Dorffamilie aus. Mistgabel, Kafi-Chacheli, Ofenbank, Heuwagen: genauso stellt man sich ein «Heimatmuseum» vor. Mit einem guten Auge fürs Detail platziert Verena Gubser ihre Objekte und Gemälde präzis in die bestehende Ausstellung. Die Künstlerin hegte schon lange den Wunsch, ihre Arbeiten mit den Ausstellungsobjekten in einen Dialog treten zu lassen; Ausgangspunkt ist eine Stele, die das Wirken der Flechtmaschine aus dem Kölliker FAMA-Werk aufnimmt. In den drei Grundfarben rot, gelb und blau und den Komplementärfarben orange, grün und violett gehalten, erinnern die vier Seiten ihrer Stele ebenfalls eine Art Flechtwerk; ihre Farben greifen ineinander wie die Kordeln der Garnfabrik. Gubsers Werke dominieren nicht, sondern lenken das Auge auf Details. Wer sich genügend Zeit nimmt, liest auch in den in rot/schwarz oder in sechs Farben gehaltenen Flächen und Linien ein Schema und entdeckt Muster. Verena Gubser ist eine klare Verfechterin der konkreten Kunst. Konkrete Kunst reduziert sich auf Farbe, Fläche und Proportionen. Gubsers Vorbilder sind die Zürcher Konkreten, allen voran Gottfried Honegger, Richard Paul Lohse oder Verena Löwensberg. Die Reduktion auf das Wesentliche spiegelt sich auch in Gubsers Kunst. Die Objekte wie Stelen und Quader sowie die Gemälde wirken reduziert, bestechen aber in der Farbkomposition. Allerdings braucht es schon ein bisschen Geduld, um die Werke zu lesen. So wie auch die Werke in einer gewissen Langsamkeit – Verena Gubser verwendet einen ganz feinen Pinsel und bearbeitet jede Farbfläche in mehreren Schichten – entstehen, muss sich auch die Betrachterin die Zeit nehmen, Muster zu entdecken oder der Komposition auf die Schliche zu kommen. Die Verantwortlichen des Kölliker Dorfmuseums zeigen sehr viel Wertschätzung, indem sie der Künstlerin freie Hand beim Setzen ihrer Werke gaben und – ein schönes Detail – zum Beispiel auch die Ausstellungsinformationen in typischer Manier der konkreten Künstlerinnen und Künstler in Kleinschrift drucken. Sehr stimmig und wertschätzend! Das Beste: die Künstlerin ist nach Möglichkeiten zu den Öffnungszeiten des Museums (sonntags von 15 bis 17 Uhr) anwesend und verrät auf Rundgängen viel über ihr Schaffen. Ein Geheimtipp für alle, die konkrete Kunst lieben oder sie kennenlernen möchten. Eintritt frei. Kollekte.
