Kunstmuseum Appenzell: Paloma Proudfoot (*1992, London) zeigt in der Gruppenausstellung «Klang der Erde, Keramik in der zeitgenössischen Kunst» (25.05.-14.09.2025) eine raumfüllende Installation in Keramik, Glas, Metall und Textilien namens «Gardening» aus dem Jahr 2024. Der raffinierte reliefartige Wandfries zeigt eine Frauengruppe bei typisch weiblich konnotierten Arbeiten: Bügeln, Nähen, Frisieren. Verführerisch glänzend, in Highheels, Netzstrümpfen oder tief ausgeschnittenem Rückendekolletee erfüllen die fünf Frauen jedes Klischee. Mit einem Augenzwinkern regt die Installation zum Nachdenken an: Mit wie viel Aufwand muss die Frau in unserer Gesellschaft verschönert werden? Die Ausstellung in Appenzell lohnt sich mehrfach: spannende Positionen in der Gruppenausstellung, wie u. a. auch Claire Goodwin, Mai-Thu Perret und viele andere, oder z. T. auch skurrile Keramiken von Woody de Othello, und auch das Gebäude selbst, sind eine Reise in die Ostschweiz wert.

Paloma Proudfoot, Gardening, 2024

Lindsey Mendick, Cheese Bored, 2018
Ishita Chakraborty, Manor Kunstpreis 2024, Aargauer Kunsthaus, 24.05.-24.08.2025). Von ihrer dreimonatigen Residenz in Brasilien brachte die Künstlerin ein raumgreifendes Wandgemälde – oder treffender: eine vielschichtige Wandinstallation – mit zurück. In zarten, sorgfältig ausgearbeiteten Malereien auf Sari-Stoff und Kreidezeichnungen thematisiert sie die Ausbeutung des Amazonasgebiets. Zwei Absperrgitter aus Glas stehen frei im Raum – Relikte urbaner Unruhen, hier aber als stille Mahnmale für die Einschränkung individueller Rechte inszeniert. Die Ausstellung ist ästhetisch eindrucksvoll, zugleich aber durchzogen von komplexen Fragen zu Kolonialismus, kultureller Aneignung, Migration und globaler Ausbeutung. Wie verändert sich unser Blick auf Schönheit, wenn sie aus Schmerz und Ungerechtigkeit entsteht?

Ebenfalls im Aargauer Kunsthaus: Sammlung im Fokus, 19.7.-9.11.2025. Das Kunsthaus würdigt das Schaffen von Barbara Müller ((1956-2023) und zeigt eine Vielzahl von abstrakten Ölgemälden der Aargauer Künstlerin. Schade, dass die tolle Künstlerin dies nicht mehr erleben durfte. Wie so oft werden insbesondere Frauenpositionen erst nach dem Tod der Künstlerin einen breiten Öffentlichkeit bekannt. Barbara Müllers wunderschön komponierte Gemälde faszinieren durch Farbwahl und -kombination, Pinselstrich und das gezielte Setzen von Leerräumen. Einige der kleineren Arbeiten erinnern an Landschaften, andere überzeugen durch ihre farbliche Komposition, die einen schnellen Entstehungsprozess vermuten lassen, aber gemäss Saaltext sehr langsam entstanden sind. Sobald man sich länger in das Bild vertieft, spürt man dieses äusserst überlegte und konzentrierte Vorgehen.

Barbara Müller, oT, 2021

Barbara Müller, oT, undatiert

Barbara Müller, oT, 1999