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Kunstbetrachtung V: Nicolas Bernière im Château de La Sarraz, 05.04.-1.11.2025

Das Schloss von La Sarraz blickt auf eine fast tausendjährige Geschichte zurück und erzählt die eindrucksvolle Vergangenheit der Familie Gingins, die zur Waadtländer Aristokratie zählte. Der Rundgang im Museum wird audiodidaktisch begleitet; die Besucher*innen erhalten einen Schlüssel, mit dem sie im Schloss interaktive Erklärungen aktivieren können. Mit ANAKRONIC hat der französische Künstler Nicolas Bernière, der in Bern und im Allier arbeitet, im gesamten Schloss seine Interventionen spielerisch platziert. Im Musikzimmer, das Hélène de Mandrot, Künstlerin und Ehefrau einer der Nachfahren der Gingins, einrichten liess, steht neben der antiken Harfe ein HiFi-Turm mit Plattenspieler und ein Keyboard, im Spielzimmer liegt neben den Jasskarten ein Nokia Handy, im Studierzimmer steht ein Wahlscheibentelefon und im Schlafzimmer ein Nachttischchen und WC-Papier. Und alle diese Objekte sind aus Karton, das Nicolas Bernière zuschneidet und teilweise auch bemalt. Überraschend sind auch der Staubsauger und die Schreibmaschine und nicht immer ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass die Objekte nicht echt sind. Der in Paris geborene Maler und Zeichner hat durch seinen Sohn zu den Kartonobjekten gefunden. Seine Alltagsgegenstände aus Karton sind täuschend echt und lassen ob dem Detailreichtum staunen. Der Rundgang durch das Museum dürfte auch für Kinder derzeit besonders spannend sein – einige Kartonobjekte sind so geschickt zwischen den Ausstellungsstücken platziert, dass man genau hinschauen muss, um sie zu entdecken.

Überraschend war die Entdeckung der zweiten temporären Ausstellung mit Objekten von Etienne und Fabien Krähenbühl, DISPARITION ET RÉMINISCENCE. Die Ausstellung thematisiert die Erinnerung von Orten mittels Skulpturen und Installationen von Étienne Krähenbühl, die im Dialog stehen mit der historischen und archäologischen Forschung von Fabien Krähenbühl. Durch die Kombination von zeitgenössischer Kunst und Geschichte regt die Ausstellung zur Reflexion über Zeit, Wandel und das Fortbestehen von Vergangenheitsspuren an. Die wunderbare Installation «Polyphème» auf dem Dachstock aus ausgegrabenen Holzpflöcken, die beim Bau des Maison Olympique in Lausanne gefunden wurden, passt unglaublich gut an diesen Ort – wie dafür gemacht.

Das Schloss von La Sarraz ist unbedingt eine Reise wert. Diesen Sommer noch mehr!

www.chateau-lasarraz.ch

www.nicolasberniere.com

www.ekl.ch/