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Kunstbetrachtung IV: La Maison Totale, Augustin Rebetez, Sommer 2025

Bôle, wo das Maison Totale des jurassischen Künstlers steht, ist nur 10 Zug-Minuten von Neuenburg entfernt. Vom kleinen Bahnhof ist Rebetez’ Sommerkunstort in wenigen Schritten erreichbar. Wer einmal durch das Eingangsportal durch ist, findet sich in einer anderen Welt wieder. Im bewaldeten Park rund um das Haus sind überall die typischen Rebetez-Figuren aus Holz, Eisen, Zement und Ton verstreut. Vornehmlich in schwarz/weiss stehen sie da, bewachen das Haus oder schauen verwundert zum Publikum, das an der Vernissage bunt und auffällig jung ist. Rebetez trifft mit seinen teils unheimlich anmutenden Figuren – sind es Menschen oder Vögel? – einen Zeitgeist, der an Pärke früherer Künstler*innen anknüpft und diesen in nichts nachsteht.

Sein eigener Stern in Walk of Fame-Manier endet in einer altarähnlichen Nische mit einer Überfigur, die von Grabkerzen und aus Ton geformten Flammen beleuchtet und von Hochspannungsisolatoren bewacht wird. Die fünf kleinen Figuren zu ihren Füssen könnten ihre Opfer sein. Vieles lässt sich reindeuten, nichts wird erklärt. Eine Wohltat, die man einfach auf sich wirken lassen kann, im Gegensatz zu vielen verkopften Kunstwerken (so gleichentags gesehen im CAN Neuchâtel in der Ausstellung Platfform25).

Rebetez’ organische Figuren kreieren einen seltsamen Mix zwischen Traum und Albtraum. Im Innern des Maison Totale, das eingerichtet ist wie ein übervolles Museum, gibt etliche Überraschungen. Ein Mumien-Paar, das mittels Fusstaste zum Sprechen animiert wird, Bilder, Teppiche, Eisenplastiken, Kleinskulpturen, animierte «Schaufenster», und auch das Cinema Panico. Gezeigt werden Rebetez’ skurrile, witzige, überwiegend von Frauen bevölkerte Kurzfilme, mit Trash-Punk-Musik unterlegt, die als Ohrwurm lange im Kopf bleiben «Have you seen my cellphone?». Vieles erinnert an ein Gruselkabinett, da und dort springen dem Publikum witzige Schreckmomente entgegen. Eine märchenhafte, eigene Welt, die der Künstler in den letzten vier Jahren im neuenburgischen Bôle aufgebaut und deren Besuch sich unbedingt lohnt! Trotz den vielen unheimlichen Figuren hat man nach dem Besuch ein positives Gefühl.

Voilà!

Oder wie Rebetez in seinem Einführungstext schreibt: Nimm dies als Vitamin!

 

maisontotale.ch

bis 20. September 2025, SA & SO