- Juni 2025

Louisa Gagliardi, Revealing, 2022
Auf den ersten Blick sind es Alltagsszenen, die Louisa Gagliardi festhält: ein Mensch, der direkt vom Wasserhahn in der Küche trinkt, eine Frau, die eine Wendeltreppe hinaufsteigt, ein Pärchen im Lift, zwei Meisen, die durch einen Maschendrahtzaun schlüpfen. Aber immer sind da auch Dinge, die (ver)stören: wieso trinkt der Mensch – es bleibt unklar, ob Mann oder Frau – vom Hahn, wenn doch fünf leere Gläser da stehen? Und wo sind die andern? Der Schatten der Gestalt, die sich in der Liftkabine ebenfalls spiegelt, wirkt unheimlich und bedrohlich. Ist das Paar in Gefahr? Wieso ist der Badebereich zweier Menschen mit einem Vorhängeschloss gesichert? Wer sind die Gestalten, die vom Himmel hinunter unter lebensgrosse Pilzschirme blicken?

Louisa Gagliardi, Visitors, 2024

Louisa Gagliardi, Green Room, 2023

Louisa Gagliardi, Pushing Buttons, 2023
Louisa Gagliardis Bilder zeigen eine Wirklichkeit, die keine ist. Vielleicht macht dies den Reiz der Werke aus? Oder die Tatsache, dass sie alle am Computer entstanden sind, aber dennoch wie Malerei erscheinen? Die riesigen Leinwände beeindrucken, auch durch ihre Grösse, aber auch durch die surreal erscheinenden Scheinwelten, die von teils körperlich aufgelösten oder stereotypen Figuren bevölkert werden. Louisa Gagliardis meist in dumpfen Tönen gehaltene Bilder lassen viel Raum offen für Interpretation – sicher einer der Gründe, wieso die Künstlerin so erfolgreich ist. Technisch brillant, ins kleinste Detail durchkomponiert, humorvoll und fraglos bildgewaltig – all das sind weitere Gründe, weshalb man die Ausstellung in Lugano besuchen sollte.